Mangelhaftes Parkett verlegt – haftet der Händler oder der Handwerker?

defektes holzDer neue Parkettboden wurde liebevoll ausgewählt und vom Profi verlegt. Das Parkett soll für ein besonderes Ambiente im Wohnzimmer sorgen. Aber das Parkett ist mangelhaft, erste Fehler treten schnell zutage. Wer haftet? Über diese Frage streiten Händler und Handwerker schon lange. Und auch die Politik beschäftigt sich mit der „kaufrechtlichen Mängelhaftung“.

Bisher ist es so geregelt

Ist das Parkett mangelhaft, muss der Händler kostenlos neues Parkett liefern. Allerdings muss der Handwerker den mangelhaften Boden herausreißen und die neue Ware selbst verlegen. Auf den Kosten dafür bleibt er sitzen – denn die zahlt der Kunde natürlich nicht. Der Händler übernimmt die Arbeitszeit des Parkettlegers und die Entsorgung des mangelhaften Parketts aber auch nicht. Die Handwerker finden diese Regelung in der Mängelhaftung jedoch nicht gerecht und setzen sich schon seit langem dagegen ein. Der Widerstand war so groß, dass das Thema sogar in den Koalitionsvertrag der SPD und der CDU auf Bundesebene kam. Ein erster Gesetzentwurf aus dem vergangenen Jahr soll diese Regelung der Mängelhaftung nun auch tatsächlich ändern. Die Regierung stellt es sich so vor, dass der Händler die Kosten des Handwerkers für den Einbau und Ausbau übernehmen muss. Den entstandenen Schaden könne der Händler dann wiederum beim Hersteller des mangelhaften Bodenbelags zurückholen.

Haftungsfalle

Dem Handel passt diese Idee natürlich gar nicht. Ob die Handwerker aus der sogenannten „Haftungsfalle“ befreit werden, steht noch in den Sternen: Die Koalitionspartner sind sich nämlich plötzlich uneins. Denn das Handwerk hat das geplante Gesetz mit einigen zusätzlichen Verbesserungswünschen garniert, die die SPD mittragen möchte – die CDU hingegen ist dagegen, dass Händler diese neue Haftungsregelung über ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen wieder außer Kraft setzen können. Einig sind sich beide Parteien immerhin dabei, dass die Schäden nur der Handwerker ausbessern darf und nicht der Händler selbst.

Der HDE schlägt vor…

Der Einzelhandelsverband HDE, der die Händler von Parkettböden ebenfalls vertritt, findet eine Neuregelung problematisch. Es geht um Angst vor Missbrauch der neuen Regelungen, um eine Verkomplizierung des bestehenden Systems und einen Anstieg von Kosten. Derzeit sei die Verteilung bei Mängeln gerecht: Der Händler liefert schadlose Ware und der Handwerker den schadlosen Einbau der schadlosen Ware. Der HDE schlägt vor, dass der Handwerker ja das Risiko für eventuelle Haftungsfälle schon vorher in seine Preise und Angebote mit einrechnen könne.

Eine Änderung der Regelung für die „kaufrechtliche Mängelhaftung“ würde übrigens nicht nur Parkettleger betreffen, sondern sämtliche Handwerker, die Produkte einbauen. Die Regelungen gelten aber auch für die Industrie, die bei Händlern bestellen und etwa Schrauben weiterverarbeiten und verkaufen.

Stockfoto Bild: 597232364 – Urheber: Aleksandr Ryabov

 

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